Mit dieser Schallplatte wird die Jazzgeschichte nicht revolutioniert. Es sind auch keine genialischen Jungdynamiker am Werk. Dafür Gebrauchsmusiker mit kumuliert etwa 170 Jahren Erfahrung im Livespielen für Swingtänzer, Jazzpuristen, Barplauderer, Festivalbesucher, Clubhabitués oder Gelegenheitshörer. Zu hören auf Dutzenden von Tonträgern als Begleiter oder Solisten. Viel Handwerk also. Und Mundwerk, was den Sessionleiter betrifft. Der pflegt hier nämlich einen fast vergessenen Sax-Stil: Das Subtone-Spielen. Daher auch der Titel der Scheibe. Viel Luft gehört dazu. Viel Luft im Ton und viel Luft nach "oben". Da werden keine Fertigkeiten im Schnellfingern vorgeführt. Oder die raffiniertesten ungeraden Rhythmen oder Harmoniealterierungen. Dafür werden Geschichten erzählt. Von verrauchten "Juke Joints" der vierziger Jahre zum Beispiel, als sich das Publikum wenig darum kümmerte, ob das, was die Band da vorne auf der kleinen Bühne spielte, auch "richtiger" Jazz war. Tanzbar musste es sein. Swingen sollte es. Und reden musste man dazu können. Über den Blues vielleicht. Nicht den aus den Lehrbüchern, sondern den selbsterlebten, der nur mit viel Booze und Jitterbugging allmählich wieder in den Hintergrund trat. Duke Seidmann und seine Rhythm Section erzählen hier solche Geschichten. Keine die Welt bewegenden. Eher TWIDDLY BITS, Krümel, die bleiben, wenn wieder mal etwas zwischen den Händen zerrieben, zerronnen ist. Ein RECORD HOP ist kein Tanz für die Ewigkeit, ein Tänzchen vielleicht mit einer Schönen im Arm. I CAN'T GET STARTED, oder doch? TAKE 'EM OFF, TAKE 'EM OFF - die Kleider der Schönen oder die Schuld(en), die der Tänzer auf sich geladen hat? Die gosplige Stimmung lässt es offen. Am SUNDAY hängt zwar vielleicht noch der Rauch des Vorabends in den Kleidern, doch irgendwo zwischen Bar und Kirche treffen sich auch SEARSY, KALLI THE KOOLO und sogar WILLIE mit seinem HAND JIVE und hoffen unausgesprochen auf etwas BROTHERHOOD OF MAN. Uralte, neu verpackte Stücke wie ROYAL GARDEN BLUES stehen neben eben erst erschienenen Balladen wie  Gaby Morenos DAYDREAM BY DESIGN, von David Ruosch im Willie "The Lion" Smith-Modus eingeleitet. 

Das ist keine CD für Puristen oder Anhänger des Geniekults. Doch wenn Sie mögen, tanzen Sie dazu, trinken Sie, rauchen Sie oder hören Sie jemandem zu, der seinen eigenen Blues in Worte fasst. Das passt.

 

 

This recording does not revolutionise the history of jazz, nor is it a showcase for a musical prodigy. Instead, these musicians have around 170 years of experience between them of playing live for swing dancers, jazz purists, night owls, festival fans, club goers and casual listeners. They can be heard on dozens of recordings as accompanists or soloists. So they know their craft. The session leader has brought back the once-popular subtone, hence the title of the disc. Playing with plenty of air, he produces a big, breathy subtone sound. It's not about quick fingers or the slickest odd rhythms or changing harmonies. It's about telling stories from the smoky "juke joints" of the forties, when the audience didn't care whether what the band on the small stage was playing was "real" jazz. Just as long as you could dance to it, and it had swing, and you could still hear a friend talking, maybe about the blues. This jazz was not from textbooks, it was from personal experience, fading slowly into the background with booze and jitterbug. These are the stories told here by Duke Seidmann and his rhythm section. They won't change the world. TWIDDLY BITS gives us the crumbs that remain when that which we rub between our fingers has all but gone. RECORD HOP is not a dance for eternity, but a dance here and now with an attractive partner in your arms. I CAN'T GET STARTED, or can I? TAKE 'EM OFF, TAKE 'EM OFF - a partner's clothes, or the debt(s) of the dancer? The gospel mood leaves the choice open. On SUNDAY you can still smell the smoke from Saturday night on your clothes, but somewhere between the bar and the church, SEARSY, KALLI THE KOOLO and even WILLIE with his HAND JIVE meet with the unspoken hope of some BROTHERHOOD OF MAN. Ancient, repackaged pieces like ROYAL GARDEN BLUES are side by side with new ballads like Gaby Moreno's DAYDREAM BY DESIGN, preluded by David Ruosch in Willie "The Lion" Smith mode. 

This is not a CD for purists or followers of the genius cult. But if you want to dance, drink, smoke, or listen to someone putting their own blues into words, you'll find that this will do very nicely.